Donnerstag, 25. März 2010
Hans-Martin Tillack: Die korrupte Republik
Tillack schildert Betrug, Vorteilsnahme und Korruption in Deutschland. Tillack summiert alte Skandale und Verfahren, über die er für den Stern berichtet hat. Leicht alarmistisch geschrieben, soll und sollte der Text auch alarmieren. Denn was in unserem "guten Land" so alles passiert - sei es bei den Krankenkassen, den Abgeordneten, den Parteien und in Brüssel - davor steht man staunend. Mit längerer Lektüre greift Frustration beim Leser um sich.
Sonntag, 21. März 2010
Marin Suter: Der Koch
Ein politischerer Suter als gewöhnlich. Wir erleben noch eine andere neue Seite an Martin Suter: Die Leidenschaft für das molekulare Kochen, das (etwas zu) ausführlich recherchiert präsentiert wird. Suter komponiert hier selbst ein wenig und streut die Zutaten seiner Business-Kolumnen in diesen Roman ein.
An zwei, drei Stellen vielleicht etwas holprig, ist der Roman ansonsten - wie immer - ein unheimlich leckeres Menü.
An zwei, drei Stellen vielleicht etwas holprig, ist der Roman ansonsten - wie immer - ein unheimlich leckeres Menü.
Freitag, 19. März 2010
Urs Widmer: Im Kongo
Ein wunderhübsches kleines Märchen aus Zürich und Kinshasa. Sprachlich eng verwandt mit dem anderen Schweizer, Martin Suter, ist das Buch doch noch viel bunter und fantastischer, surreal. Schwarz und Weiß, der Wald und der Krieg - ein gutes Buch.
Mittwoch, 24. Februar 2010
Rudolf Gerhardt: Wenn der Richter sich verrechnet
Mit dem zuvor gelobten Buch hat dieses hier kaum etwas gemeinsam, auch wenn der Autor ebenfalls versucht, Gerichtsfällen amüsante und Lehrreiche Anektdoten abzugewinnen. Gerhardt ist allerdings ein Vertreter einer älteren Schreibergeneration: Obwohl bekannter Autor, auch bei der FAZ, mag dieses Buch, VÖ 1992, gefühlt 1962, aber eher wenig zu gefallen. Der Ton ist einfach zu altväterlich, zu harmlos und die Beobachtungen zu wenig interessant, als dass das Buch auf Dauer zu fesseln verstehen würde. Schlimmer allerdings sind die hinten angefügten Reisebeschreibungen und Alltagsbeobachtungen, die wirklich quälend langweilig waren.
Freitag, 19. Februar 2010
Johann Braun: Kunstprozesse von Menzel bis Beuys
Wunderbares Buch. Selten so gute juristische Sprache gehört, selten so klare dogmatische Darstellung und eine so Profunde Bildung bei den Künsten. Ein Ausnahmejurist, der es sogar schafft, feine sprachliche Ironie in seinen Texten unterzubringen. Besonders schön auch der Schluss, der nur wenig kraftmeierisch daherkommt. Gar nicht das typische Juristenbuch.
Montag, 8. Februar 2010
Uwe Wesel: Risiko Rechtsanwalt
Uwe Wesel hat hier ein schönes Buch über den Anwaltsstand geschrieben. Der Titel ist etwas irreführend, im Grunde geht es eher über die Anwaltschaft an sich als über das "Risiko." Sehr informativ und auch unterhaltsam, trotz der ein oder anderen etwas seltsamen Sprachführung.
Montag, 1. Februar 2010
Güner Yasemin Balci: Arabboy: Eine Jugend in Deutschland oder Das kurze Leben des Rashid A
Gute Erzählung aus dem Problemkiez Neukölln, die auf wahren Begebenheiten beruht. Die düstere Geschichte, die nur wenig Hoffnung zulässt, deutet an, dass hier eine Autorin am Werk war, welche die tatsächlichen Verhältnisse der Gegend kennt - keine Sozialromantik, keine Gangsta-Allmachtsfantasien. Auch wenn der Autorin nur mittelmäßige handwerkliche Qualitäten attestiert werden können (immerhin!), fesselt das Buch durch die präzise und schonungslose Schilderung der Realitäten im Neuköllner Ghetto.
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