Montag, 13. Oktober 2008

Sabine Rückert: Tote haben keine Lobby

Ein spannender Blick in die Welt der Dunkelfelder und der Gerichtsmedizin. Sabine Rückert nimmt sich hier eines kriminalpolitischen Themas an, von dem ich bisher noch überhaupt nichts wusste. Insofern kann man nur von gutem Journalismus sprechen, denn die Aufmerksamkeit der stupiden Masse (mir) auf brisante Themen zu lenken ist ja nun die Königsdisziplin in diesem Metier.

Das Schema etwas reißerische Fallbeispiele mit Interviews und Zitaten aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu mischen funktioniert recht gut, obwohl alle drei dieser Textarten auf die Dauer etwas ermüdend wirken. Dies lässt sich dem ganzen Buch vorhalten: Das Thema reichte meiner Meinung nach nicht unbedingt, um die Seiten zu füllen. Es wirkt teilweise repititiv. Gegen Ende hin zieht es sich etwas, da die Thesen nun schon ausführlich erläuert worden sind, Rückert aber immer noch eine Ehrenrunde zieht. Das Ende hingegen bildet einen gelungenen Abschluss und entlohnt für vieles.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Das Gilgamesch-Epos

Der erste Mythos. Die ewigen Fragen werden hier schon gestellt, mit Gilgamesch betritt ein ewiger Held die Bühne, der bis heute noch als Archetyp existiert. Toll, dass man sowas noch lesen kann. Berührend.

Samstag, 2. August 2008

Jakob Hein: Herr Jensen steigt aus

Ein schmales Büchlein über einen der Außenseiter unserer Gesellschaft. Herr Jensen wird nicht gebraucht - und beschließt, auszusteigen aus dem, was unsere Gesellschaft ausmacht.

Was durchaus ein gelungenes Psychogramm hätte werden können - einige Ansätze zeigt das Buch durchaus - ist leider ein nichtssagendes Büchlein geworden. Das fängt an mit dem unangenehmen ständigen Betonen der Anredeform des Protagonisten (seit Herrn Lehmann eigentlich verbrannt), zieht sich dann allerdings durch die mit Platitüden gespickten 135 Seiten. Hein konzentriert sich auf kleine Beobachtungen des Alltags, die ihm aber leider nicht so spannend oder skurril geraten sind, dass der Leser daran seine Freude hätte. Nach 50, 60 Seiten merkt man, dass das Buch einfach so weitergehen wird. Und das ist dann ein schwerer Schlag.

Letztlich sollte ein Autor (zumal, wenn er nicht von der Schriftstellerei leben muss) sich bei seinem Buch auch immer fragen: Ist es ein Beitrag? Werden die Leser mit Freude und Gewinn ihre Zeit mit der Lektüre des Buches verbringen? Hier ist das, jedenfalls bei mir, nicht der Fall gewesen.

Donnerstag, 24. Juli 2008

Gert Ledig: Die Stalinorgel

Ein unfassbarer Kriegsbericht. In kargen, abgestorbenen Worten erzählt, wahllos sterben Protagonisten und Plotstränge, nichts und niemand überlebt. Ein gewaltiges Buch.

Martin Suter: Der große Weynfeldt

Ein wunderbares Buch, ein typischer Suter. Im Gegensatz zum enttäuschenden "Teufel von Mailand" ist Suter hier wieder voll in Form. Er verzichtet allerdings auf seine Neurologie-Marotte (zumindest steht so etwas nicht im Vordergrund, wenn sich auch bei einer der Beteiligten so etwas andeutet), was dem Buch aber gut bekommt.

Die Geschichte über den letzten Spross einer Industriellen-Familie, dessen altes Blut Begehrlichkeiten weckt, ist spannend, unterhaltsam, aber auch lehrreich in gleich mehrfacher Hinsicht. Sogar über schweizer Künstler kann man noch etwas lernen.

Bernhard Schlink: Selbs Betrug

Ein tadellos geschriebener Krimi. Schlinks geschliffene Sprache gehört sicher zu den angenehmsten Stimmen zumindest der deutschen Krimi-Literatur.

Der Plot war spannend, aber mal wieder beschäftigte Schlink sich mit einem der "deutschen" Themen, hier also dem deutschen Herbst. Ob es auch mal eine Nummer kleiner ginge? Na, warum auch.

Einziges Manko war die etwas unangenehme Romanze zwischen dem 70jährigen Protagonisten und der hübschen Mittzwanzigerin. Man fragt sich, wie das die alten Männer im Roman immer anstellen.

Sonntag, 6. Juli 2008

Andrea Maria Schenkel: Tannöd

Mit etwas Verspätung ist dieser berühmte Roman nun auch mir in die Hände gefallen. Das Buch war ja viel in der Presse, erst als Entdeckung des Jahres 2007, dann durch den Plagiatsprozess, den die Autorin allerdings gewonnen hat.

Das Buch ist sehr, sehr schmal. Grade einmal ca. 125 Seiten, die noch nicht einmal voll ausgeschöpft wurden. Aber mehr ist nicht nötig, um diese Geschichte zu erzählen. Mehr hätte auch nicht zum Stil der Erzählung gepasst.

Das Buch ist sicherlich düster, dunkel, ein böse funkelnder kleiner Schatz in der deutschen Krimilandschaft. Es ist vor allem kein Krimi in dem eigentlichen Sinn. Zwar geht es los mit einem Mord und endet in einer Aufklärung. Stilistisch ist es allerdings hermetisch, eigen, den üblichen Krimitraditionen nicht wirklich zugänglich. Es orientiert sich in gewisser Weise an den Reality-Formaten unserer Zeit, durch die anachronistische Sprache und Zeitversetzung wird damit allerdings ein ungwöhnlicher Effekt erzielt.

Einzig das Ende enttäuscht etwas. Ich als Leser hätte mir gewünscht, dass die Geschichte etwas im Vagen bleibt. Ein Gruselmärchen aus den Wäldern sollte nie zu sehr ausgeleuchtet und erklärt werden, dadurch bleibt dann die Stimmung etwas auf der Strecke.

Dennoch, ein tolles Buch.