Glenny hat hier ein glänzendes Beispiel angelsächsischen Journalismus abgeliefert. Persönlich, packend, exzellent geschrieben, politisch relevant. So würde man sich Reportagen öfer wünschen. Die kleinen Umwege, die Glenny geht (über seine persönlichen Rechercheerfahrungen), um später dann zu den Fakten zu kommen, sind oft eine wunderbare Idee, welche die Welt, die Glenny uns zeigt, noch einmal öffnet, farbig werden lässt. Am Stärksten sind die Kapitel über Osteuropa, hier zeigt sich doch, dass der Autor dort besondere Kenntnisse erworben hat. Aber insgesamt kann gelten: die Geschichten, die Glenny hier erzählt, haben mein Wissen sehr bereichert.
Was Glenny leider nicht schafft, ist es, eine Vision zu entwerfen, aus den Puzzlestücken ein klares Bild, eine knackige These zu formen. Dass die Mafia sich globalisiert, dass sie in teilen wie banale Wirtschaftsunternehmen denkt und handelt, das ist nicht unbedingt neu. Triaden, Cyberkriminalität - dort, wo Glenny uns mutmaßlich an die Grenzen zum Morgen führt, wird sein Vortrag neblig und irgendwie uninteressiert. Das lässt sich auch an seiner Rede bei TED gut ersehen: für eine Kurzthese ist das Buch nicht geeignet. Das macht aber nichts.
Freitag, 22. Oktober 2010
Mittwoch, 13. Oktober 2010
Anna von Bayern: KT zu Guttenberg
Das Buch ist natürlich eindeutig parteiisch, Anna von Bayern macht auch keinen Hehl daraus, dass sie mit "KT" gut bekannt ist, sie beginnt das Buch gleich mit einer Anekdote aus dem gemeinsamen Privatleben. Neben teilweise unangenehmer Lobhudelei sind manchmal auch zarte Töne der Kritik zu hören - insgesamt bleibt das Buch allerdings unausgewogen. Was ebenfalls enttäuscht: Die Autorin schafft es letztlich nicht, hinter die Kulissen des "Politstars" zu blicken. What makes him tick? Wir wissen es auch nach der Lektüre dieses Buches nicht. Es bleibt letztlich stecken in der oberflächlichen Betrachtung, in der Nacherzählung, dem Anekdotischen.
Angenehm hingegen ist von Bayerns Schreibe. Bei der BamS scheint sie gelernt zu haben, wie man den Leser mitnimmt, so dass die kleine Rundfahrt durch Guttenbergs Karriere zwar harmlos und verhältnismäßig nichtssagend bleibt, aber doch einen leidlichen Unterhaltungsfaktor aufweist.
Angenehm hingegen ist von Bayerns Schreibe. Bei der BamS scheint sie gelernt zu haben, wie man den Leser mitnimmt, so dass die kleine Rundfahrt durch Guttenbergs Karriere zwar harmlos und verhältnismäßig nichtssagend bleibt, aber doch einen leidlichen Unterhaltungsfaktor aufweist.
Montag, 27. September 2010
Die Masche mit dem Sternchen
In einfachen Worten klären hier die Autoren über die Tricks der Marketing-Profis bei den Banken auf, enthüllen dabei die Unseriösität der meisten Angebote und erklären nebenbei noch ein bißchen die Grundlagen der Anlageverwaltung. Das Buch ist eine Sammlung der ehemaligen Kolumne bei der SZ. Ein nettes Buch - wenn auch nicht direkt Rocket Science.
Mittwoch, 22. September 2010
Stephan Serin: Föhn mich nicht zu
Stephan Serin ist seit Jahren Mitglied der Chaussee der Enthusiasten, wo er wöchentlich lustige Episoden aus seinem Alltag auf der Bühne zum Besten gibt.
Insofern überrascht das Buch ein wenig: Der Autor trifft den Ton nicht richtig, er pendelt zwischen lustigen Erzählungen, ernsthafter Kritik und Absurdem - das kann funktionieren, tut es in diesem Fall aber leider nicht.
Das lyrische Ich hat zudem den Hang zur Jammerigkeit, der einen schon oft bei Studienkollegen etc. geärgert hat, ganz authentisch und dadurch nicht besonders litarisch kommt das rüber.
Inhaltlich ist das Buch streckenweise interessant zu lesen: man hätte allerdings mehr erfahren wollen über die kleinen Geschichten, über die Persönlichkeiten der Schüler, das wird alles nur irgendwie lieblos angeschnitten, sie kommen im Grunde nur als Pointenbringer vor. Das macht so keinen Spaß.
Sedrn hat hier die Chance vergeben, einen relevanten Beitrag zu den aktuellen Debatten zu liefern, dazu hat er einfach zu wenig interessantes geliefert.
Insofern überrascht das Buch ein wenig: Der Autor trifft den Ton nicht richtig, er pendelt zwischen lustigen Erzählungen, ernsthafter Kritik und Absurdem - das kann funktionieren, tut es in diesem Fall aber leider nicht.
Das lyrische Ich hat zudem den Hang zur Jammerigkeit, der einen schon oft bei Studienkollegen etc. geärgert hat, ganz authentisch und dadurch nicht besonders litarisch kommt das rüber.
Inhaltlich ist das Buch streckenweise interessant zu lesen: man hätte allerdings mehr erfahren wollen über die kleinen Geschichten, über die Persönlichkeiten der Schüler, das wird alles nur irgendwie lieblos angeschnitten, sie kommen im Grunde nur als Pointenbringer vor. Das macht so keinen Spaß.
Sedrn hat hier die Chance vergeben, einen relevanten Beitrag zu den aktuellen Debatten zu liefern, dazu hat er einfach zu wenig interessantes geliefert.
Donnerstag, 16. September 2010
Erich Kästner: Drei Männer im Schnee
Eine schöne Geschichte von Erich Kästner. Nicht gerade das beste, was er je geschrieben hat. Dafür bleibt das Buch zu harmlos, zu "50er", zu sehr Lustspiel. Die politischen Töne sind doch sehr im Hintergrund. Aber zur der Zeit, als Kästner das schrieb, ist das vielleicht kein Wunder.
Das Buch ist ein großer Hit geworden und man kann sich vorstellen, dass es ein Blockbuster seiner Zeit war. Für den heutigen Leser ist es Balsam für die Seele, so gemütlich und fröhlich. Aber eben auch etwas langweilig, etwas langsam und betuhlich, so, wie ein Film mit Roy Black. Auch die Gags zünden nicht mehr so richtig. Allerdings bleibt der Kästner-Sound unverkennbar, weniger wäre allerdings manchmal mehr gewesen.
Interessant bleibt die Darstellung der Geschlechterrollen in diesem Roman, die Moderne zieht herauf, Herr Kästner scheint dafür aber nicht allzuviel übrig zu haben.
Das Buch ist ein großer Hit geworden und man kann sich vorstellen, dass es ein Blockbuster seiner Zeit war. Für den heutigen Leser ist es Balsam für die Seele, so gemütlich und fröhlich. Aber eben auch etwas langweilig, etwas langsam und betuhlich, so, wie ein Film mit Roy Black. Auch die Gags zünden nicht mehr so richtig. Allerdings bleibt der Kästner-Sound unverkennbar, weniger wäre allerdings manchmal mehr gewesen.
Interessant bleibt die Darstellung der Geschlechterrollen in diesem Roman, die Moderne zieht herauf, Herr Kästner scheint dafür aber nicht allzuviel übrig zu haben.
Dienstag, 14. September 2010
Josef Conrad: Heart of Darkness
Sicherlich eines der besten Bücher meines Lebens. Unheimliche Sprachbegabung (das war Conrads 4. Sprache!). Der Hauch der Finsternis, nicht mal Poe beschreibt das derart faszinierend. Politisch, esoterisch, vielseitig deutbar, mitreißend in das benannte Herz...Über solche Bücher sollte man nicht zuviel sagen, sondern sie lesen.
Donnerstag, 2. September 2010
Cem Gülay - Türken-Sam
Cem Gülay rechnet ab. Mit Deutschland, mit den ehemaligen Kollegen aus der Gangster GmbH, mit der Familie. "Türken-Sam" scheint noch immer ein zorniger Mann zu sein.
Das Buch schwankt zwischen cooler Gangster-Story, Sachbuchversuch und Autobiographie eines Gescheiterten. Cem Gülay scheint ein schlauer Kerl zu sein, der es aber letztlich nicht geschafft hat, sein Talent nutzbar zu machen. Was bleibt, ist dieses Buch.
Und das ist nicht schlecht. Ein Insider-Bericht aus dem Milieu. Keiner wird geschont. Auch unterhaltsam ist es. Aber was lernen wir aus diesem Buch? Wir bekommen den Zorn mit, die Wut der jungen Türken, der Außenseiter, der Ausgegrenzten. Gülays eigenes Leben bietet nicht viel Perspektiven, er bietet auch keine an. Es bleibt: eine interessante und lesenswerte Bestandsaufnahme der dunklen Seite Hamburgs der 90er Jahre. Das Buch wirbt ein bißchen damit, dass auch die großen Themen behandelt werden, dass hier also einer mal sagt wie es ist und, weil er von "der anderen Seite" kommt, vielleicht auch ein paar Lösungsvorschläge hat. Das wiederum ist aber zu viel verlangt.
Das Buch schwankt zwischen cooler Gangster-Story, Sachbuchversuch und Autobiographie eines Gescheiterten. Cem Gülay scheint ein schlauer Kerl zu sein, der es aber letztlich nicht geschafft hat, sein Talent nutzbar zu machen. Was bleibt, ist dieses Buch.
Und das ist nicht schlecht. Ein Insider-Bericht aus dem Milieu. Keiner wird geschont. Auch unterhaltsam ist es. Aber was lernen wir aus diesem Buch? Wir bekommen den Zorn mit, die Wut der jungen Türken, der Außenseiter, der Ausgegrenzten. Gülays eigenes Leben bietet nicht viel Perspektiven, er bietet auch keine an. Es bleibt: eine interessante und lesenswerte Bestandsaufnahme der dunklen Seite Hamburgs der 90er Jahre. Das Buch wirbt ein bißchen damit, dass auch die großen Themen behandelt werden, dass hier also einer mal sagt wie es ist und, weil er von "der anderen Seite" kommt, vielleicht auch ein paar Lösungsvorschläge hat. Das wiederum ist aber zu viel verlangt.
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