Donnerstag, 23. Januar 2014

Don Winslow: Kings of Cool

Niemand erwartet große Taten von einem Prequel. "Savages 2" wäre aber eben ein noch schlechterer Buchtitel gewesen. Etwas überraschender Weise stellt sich Kings of Cool als das Buch heraus, das Savages hätte sein können.Während Winslow stets als großer Historiker des Mexikanisch-Amerikanischen Drogenkonflikts (War on Drugs) verstanden wird, war er in Savages zu sehr damit beschäftigt, seinen neuen Protagonisten einen Sound auf den Leib zu schneidern. Hat geklappt, war sehr geil. In Kings of Cool kann er jetzt mehr zeigen. Und er zeigt große Meisterschaft. Sprachliche Meisterschaft, aber auch die Gestaltung der Welt, sowie ein Thrillerplot, der wirklich das Maximum rausholt.

Sonntag, 19. Januar 2014

Uli Hannemann: Wenn der Kuchen schweigt, sprechen die Brösel

Mal gut, mal schlecht, mal witzig, mal doof. Es ist nicht alles grün, was glänzt und nicht jeder Laternenpfosten muss besungen oder besudelt werden.

UH zeigt sich immer mal wieder von großer Sprachbegabung, das mündet nicht immer in was, muss es ja auch nicht.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Ferdinand v. Schirach: Tabu

Ich halte von Schirach für einen begabten Schriftsteller mit großen Schwächen. Je mehr er sich in das Genre "Roman" vorwagt, desto klarer treten diese zu Tage. Das Buch ist leider nicht gut. Die Geschichte ist uninteressant (das ist wohl das entscheidenste Kriterium), undSchirachs Sprachstil trägt auch einfach nicht über eine solche Strecke. Vielleicht besinnt er sich ja und kehrt zur kurzen Form zurück, die ihm einfach viel mehr liegt.

Diehl u.a.: Rockerkrieg

Ich habe, glaube ich, noch kein Sachbuch gelesen, das qualitativ schlechter war. Recherche: mittelmäßig. Das meiste aus dem Internet zusammengeklaubt. Einige Zitate aus StA-Akten sollen dem Ganzen den Ruch des Recherchierten verleihen. Sprachlich eine völlig verunglückte Version des Spiegel-Stils. Kaum zu glauben, dass die Reporter dort ansonsten tätig sind. Zuletzt: Völlig unzureichend lektoriert. Ständige Wiederholungen, logische und zeitliche Sprünge - eine Katastrophe.

Samstag, 12. Oktober 2013

Clemens Meyer: Die Nacht, die Lichter

Unglaublich dicht, wahnsinnig intensiv und nah - fast autobiographisch, aber das stimmt dann wohl doch nicht. Ein Wenderoman, ein Jugendroman, ganz großes Kino.

Sonntag, 25. August 2013

Federico Baccomo: Abgekanzelt

Die Struktur des Buches erklärt sich wohl daraus, dass es ein Spin-off eines beliebten (Anwalts-)Blogs ist. Was aber als Blog ganz lustig ist funktioniert als Roman leider nur bedingt. Die ständige Wiederholung der Tristesse, in der sich der Protagonist befindet, die gleichen lahmen Witze etc. - das ist auf den ersten zwanzig Seiten leidlich witzig, dann müsste der Plot Fahrt aufnehmen, da Charakterzeichnung o.ä. den Job nicht übernehmen. Das passiert aber nicht.

Freitag, 23. August 2013

Thomas Thiemeyer: Die Stadt der Regenfresser

Ferienlektüre, etwas knalliges und einfaches war gesucht. Das habe ich auch gefunden, aber etwas "knalliger" als erwartet. 

Der Autor kommt offenbar aus der Jugendliteratur, was sich bereits an seiner Fabulierlaune festmachen lässt. Man merkt dem Buch an, dass jede Menge Überlegungen angestellt wurden, wie man den Plot spannender und einfallsreicher gestalten könnte. Andererseits scheint ein ausgeprägtes Sprachvermögen nicht zu den conditiones sine qua non eines Jugendbuchschriftstellers zu gehören. Die holzschnittartige Sprache, immer wieder mit schiefen Bilder oder Adjektivhäufungen versehen, lässt den verwöhnten Leser teilweise vor Schreck den Atem anhalten. Ich habe das Buch dennoch zu Ende gelesen, milde unterhalten von der ereignisreichen Geschichte. Den zweiten Band werde ich sicher nicht mehr zur Hand nehmen.