In dieser Textsammlung zum Thema Stil werden wunderbare Illustrationen im Stil der 50er Jahre (á la "der kleine Nick") gezeigt. Die Texte sind lustig u. kurzweilig, wie immer bei PT, aber auch ein bißchen ermüdend auf die Dauer, das ist mir schon bei dem anderen Buch des Autoren (Leute von Welt) so gegangen. Das ganz und gar Überkandidelte, mit einer gehören Prise Intellekt versehen, ist ein netter Zeitvertreib, aber scheint nirgendwo hin zu führen.
Ein Rätsel bei Tingler sind mir die ständigen Wiederholungen innerhalb der Texte, die sicherlich schon als Stilmittel zu sehen sind, ganz manchmal keimt aber doch der Verdacht auf, dass die Textsammlung da einfach nicht sauber redigiert wurde.
Was bleibt: Ein amüsantes Buch ohne wesentlichen Inhalt, also ungefähr das, was Tingler als optimale Konversation bezeichnet. Insofern: Klassenziel erreicht.
Samstag, 18. Februar 2012
Mittwoch, 15. Februar 2012
David Landes: Die Macht der Familie
Landes ist sicherlich ein eminenter Wissenschaftler. Dieses Buch allerdings ist eher von der plauderigen Sorte. Um das nicht falsch verstanden zu wissen: Es ist informativ, es ist spannend und interessant. Es bleibt aber eine farbige Aneinanderreihung von Erzählungen über einige der großen Familien des Industriezeitalters. Die Grundthese der "Macht der Familie" kann aber schon jede einzelne der Familienbiographien nur mit Mühe stützen, der Vielklang der unterschiedlichen Biographien aber gibt das erst recht nicht her. Schon eher wäre die "Macht des Zufalls", die "Macht des am richtigen Augenblicks an der richtigen Stelle Seins" eine geeignete These gewesen. Abgesehen davon also, dass es spannend ist, die verschiedenen Biographien auf sich wirken zu lassen, ist doch interessant, dass viele Geschichten nach einem ähnlichen Rise-and-Fall-Muster ablaufen, in dem die heutigen Erben eher Aktienpakete hin- und herschieben, die großen Industrien aber nur noch in Ausnahmen in Famlienhand bleiben.
Samstag, 11. Februar 2012
Sonia Rossi: Fucking Berlin
Das Buch lässt sich schnell durchschmökern. Es ist routiniert geschrieben (Lektor?) und liest sich flott, wenn natürlich auch die literarische Qualität nicht die allergrößte ist. Was aber irritiert ist der Mangel an Reflektionsfähigkeit und Einsichtsvermögen. Das Protokoll über ein Hurenleben, das hier präsentiert wird, beantwortet leider keine der Fragen, die der Leser an Frau Rossi so hätte. Es wirft vielmehr die Frage auf, wie es kommt, dass sie so konsequent an den entscheidenden Punkten vorbeischreibt. Dem "Wie", dem "Warum". Ein Buch von überraschender emotionaler Oberflächlichkeit.
Montag, 6. Februar 2012
Thomas Mann: Der Tod in Venedig und andere Erzählungen
Die großen Erzählungen Thomas Manns in einem Band, natürlich von S. Fischer. Alles Weltklasse, wobei ich persönlich den Tonio Kröger eher nervtötend fand. Schade, dass der Verlag in diesem Sammelbändchen mit Sekundärliteratur gegeizt hat.
Donnerstag, 26. Januar 2012
Stephen King: Leben und Schreiben
Kings Autobiographie & Schreibkurs dürfte wohl sein persönlichstes Werk sein. In entspanntem Ton schildert er, wie er aus ärmlichen Verhältnissen kam und Glück, Reichtum und Leser fand. King konzentriert sich dabei auf seine Jugend, auf die Zeit, auf die es wohl ankommt, wenn es darum geht, wie und ob die eigene Karriere vorgezeichnet ist. King bleibt zu jedem Zeitpunkt locker und jammert nicht, obwohl er allen Grund dazu gehabt hätte. Gegen Ende des Buches kommt er auf seinen schweren Unfall zu sprechen. Hier wird das Buch wirklich privat und ergreifend und man muss King für seinen Mut und seine Kraft Respekt zollen, diese Geschehnisse in solch sachliche Worte zu fassen.
Neben diesen autobiographischen Skizzen plaudert King etwas aus dem Nähkästchen, was aus seiner Sicht das erfolgreiche Schreiben ausmacht. Hier sind letztlich keine Überraschungen zu erwarten, es ist aber doch spannend, dass hier ein großer Autor den Mut hat, auch kleine Tipps zu geben. Zu selten haben "Stars" das Rückrat, sich so zu öffnen und der staunenden Menge zu präsentieren, dass auch sie nur mit Wasser (und in diesem Fall einer Menge Phantasie) kochen. Eine interessante Note sind noch die Listen von Kings Lieblingsbüchern, die durchaus eine beeindruckende Länge vorweisen.
Insgesamt ist das Buch kein Klassiker unserer Zeit, kein großer Wurf, aber ein unglaublich privates, persönliches Buch, in dem der Autor auf eine Weise Nähe zulässt, die das Buch zu ewas ganz Besonderem macht.
Neben diesen autobiographischen Skizzen plaudert King etwas aus dem Nähkästchen, was aus seiner Sicht das erfolgreiche Schreiben ausmacht. Hier sind letztlich keine Überraschungen zu erwarten, es ist aber doch spannend, dass hier ein großer Autor den Mut hat, auch kleine Tipps zu geben. Zu selten haben "Stars" das Rückrat, sich so zu öffnen und der staunenden Menge zu präsentieren, dass auch sie nur mit Wasser (und in diesem Fall einer Menge Phantasie) kochen. Eine interessante Note sind noch die Listen von Kings Lieblingsbüchern, die durchaus eine beeindruckende Länge vorweisen.
Insgesamt ist das Buch kein Klassiker unserer Zeit, kein großer Wurf, aber ein unglaublich privates, persönliches Buch, in dem der Autor auf eine Weise Nähe zulässt, die das Buch zu ewas ganz Besonderem macht.
Sonntag, 22. Januar 2012
V.A.: Macht - Organisiserte Literatur
Ich wollte immer mal in den Macht-Club, des tollen Namens und des schicken Logos wegen. Ich war nie da, und ich weiß jetzt, es ist nicht schlimm. Das Buch vereint das Best Of der Macht-Schreiber, und es ist ganz schrecklich, was man da teilweise zu lesen bekommt. Schreckliches blabla, Hipstergelaber, möchtegernkomplexe Gedanken werden einem serviert, unfertige Konzepte veröffentlicht, der Großteil der Geschichten ist einfach nicht gut. Ein paar sind dabei, die unterhaltsam und flott geschrieben sind, etwa diejenige von Karen Duve, den Gesamteindruck können sie nicht retten.
Hans Werner Kettenbach: Das starke Geschlecht
HWK wird eigentlich eher den Krimi-Autoren zugerechnet. Dieses Etikett würde dem einfühlsamen Buch allerdings nicht gerecht. Zwar kann auch hier die grobe Struktur zumindest als Justiz-Drama verstanden werden, dies ist aber nur das Gerüst, auf dem Kettenbach seinen Roman aufbaut. Auch wenn das große Thema des Buches das Altern und auch die Erotik des Alterns sind, habe ich es insbesondere als interessante und einfühlsame Charakterstudie dreier Personen begriffen, die auf interessante Weise umeinander kreisen. Kettenbach verzichtet auf einfache Antworten und es ergeben sich spannende Einsichten in die Psychologie dreier Personen in verschiedenen Lebensphasen. Besonders hervorzuheben ist dabei der Stil Kettenbachs, der immer sachlich und zurückgenommen bleibt, so dass die Menage á trois zu keinem Zeitpunkt klebrig wird.
Abonnieren
Posts (Atom)