Freitag, 6. Februar 2009

Kyril Bonfiglioli: Something nasty in the Woodshed

Letztes Buch der Trilogie, sein zweitbestes Werk nach dem Moustache Mystery. Witzig wie immer, mit ein, zwei dunklen, abgründigen Momenten. Und: ein richtiger Roman, mit Handlung etc. Natürlich wieder eine absolute empfehlung.

Dienstag, 6. Januar 2009

Christian Kracht: Ich werde hier sein im Sonnenschein wie im Schatten

Oft beschwere ich mich darüber, dass Bücher zu lang geraten sind, dass der Autor seine Story nicht zusammnehält: dieser Kritikpunkt ist bei diesem kurzen Buch wirklich nicht zu vermerken.

Auch ansonsten hat das Buch mir gut gefallen. Die Sprache ist wie stets bei Kracht sehr angenehm zu lesen, das Raunen einer Vergangenheit, einer niemals werdenden Zukunft, das Entwurzeltsein des afrikanischen Söldners, all das gefällt. In seinem Gestus hat das Buch durchaus das Zeug, auf viele Jahre hinaus in den Regalen der Bildungsbürger zu stehen. Ob es dem stets gerecht wird, weiß ich nicht genau. Ein bißchen lieblos wirkt es hier und da doch auch. Sicher, niemand erwartet eine stringente Handlung. Aber ein bißchen mehr...wäre schön gewesen.

Dienstag, 11. November 2008

Helmut Krausser: Kartongeschichte

Ein kleines Märchen von Helmut Krausser. Ich finde es außerordentlich gelungen. Eine postmoderne Liebesgeschichte, die versucht, alles Überflüssige zu entfernen. Und doch bleibt ein wenig Schmalzigkeit zurück. Kleine Anleihen an die fabelhafte Amelie sind zu spüren, was mich etwas abschreckt. Aber Krausser hält die Balance zwischen Kitsch und Lakonie so ausgezeichnet, dass ich hier endlich mal wieder ein ganz wunderbares Buch gelesen habe.

Samstag, 18. Oktober 2008

Harm G. Schröter: Geschichte Skandinaviens

Harm Schröters Geschichte Skandinaviens ist ein mutiges Buch. Auf 122 winzig kleinen Seiten versucht er die Geschichte des gesamten Kulturraums Skandinavien abzudecken. Dass dabei so einiges auf der Strecke bleiben muss, ist selbstevident. Die Könige und Reformen rauschen da nur so an einem vorbei. Schröter setzt natürlich durchaus Schwerpunkte und lässt auch die verschiedenen Kulturen der skandinavischen Länder in ihrem jeweils eigenen Licht erscheinen. Dennoch hätte er sich evtl. doch mehr auf gröbere Leitlinien einlassen sollen - zugunsten eines runderen Leseerlebnisses. In dem wissenschaftlichen Bemühen, zumindest die Basics erwähnt haben zu wollen, lässt er nicht genug Platz für das Erlebnis dieses Kulturraums. So sind die meisten Daten und Namen schon wieder aus dem Gedächtnis verschwunden, ohne einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, obwohl sie doch größere Teile des Textes beansprucht haben.

Diesen Mängeln zum Trotz ist "Geschichte Skandinaviens" als Einführung ein lesenswertes Buch, vor allem in Ermangelung einer besseren Alternative. Denn das Buch ist unterhaltsam und klug geschrieben und man spürt das tiefe Wissen des Autors um das behandelte Thema.

Montag, 13. Oktober 2008

Sabine Rückert: Tote haben keine Lobby

Ein spannender Blick in die Welt der Dunkelfelder und der Gerichtsmedizin. Sabine Rückert nimmt sich hier eines kriminalpolitischen Themas an, von dem ich bisher noch überhaupt nichts wusste. Insofern kann man nur von gutem Journalismus sprechen, denn die Aufmerksamkeit der stupiden Masse (mir) auf brisante Themen zu lenken ist ja nun die Königsdisziplin in diesem Metier.

Das Schema etwas reißerische Fallbeispiele mit Interviews und Zitaten aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu mischen funktioniert recht gut, obwohl alle drei dieser Textarten auf die Dauer etwas ermüdend wirken. Dies lässt sich dem ganzen Buch vorhalten: Das Thema reichte meiner Meinung nach nicht unbedingt, um die Seiten zu füllen. Es wirkt teilweise repititiv. Gegen Ende hin zieht es sich etwas, da die Thesen nun schon ausführlich erläuert worden sind, Rückert aber immer noch eine Ehrenrunde zieht. Das Ende hingegen bildet einen gelungenen Abschluss und entlohnt für vieles.

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Das Gilgamesch-Epos

Der erste Mythos. Die ewigen Fragen werden hier schon gestellt, mit Gilgamesch betritt ein ewiger Held die Bühne, der bis heute noch als Archetyp existiert. Toll, dass man sowas noch lesen kann. Berührend.

Samstag, 2. August 2008

Jakob Hein: Herr Jensen steigt aus

Ein schmales Büchlein über einen der Außenseiter unserer Gesellschaft. Herr Jensen wird nicht gebraucht - und beschließt, auszusteigen aus dem, was unsere Gesellschaft ausmacht.

Was durchaus ein gelungenes Psychogramm hätte werden können - einige Ansätze zeigt das Buch durchaus - ist leider ein nichtssagendes Büchlein geworden. Das fängt an mit dem unangenehmen ständigen Betonen der Anredeform des Protagonisten (seit Herrn Lehmann eigentlich verbrannt), zieht sich dann allerdings durch die mit Platitüden gespickten 135 Seiten. Hein konzentriert sich auf kleine Beobachtungen des Alltags, die ihm aber leider nicht so spannend oder skurril geraten sind, dass der Leser daran seine Freude hätte. Nach 50, 60 Seiten merkt man, dass das Buch einfach so weitergehen wird. Und das ist dann ein schwerer Schlag.

Letztlich sollte ein Autor (zumal, wenn er nicht von der Schriftstellerei leben muss) sich bei seinem Buch auch immer fragen: Ist es ein Beitrag? Werden die Leser mit Freude und Gewinn ihre Zeit mit der Lektüre des Buches verbringen? Hier ist das, jedenfalls bei mir, nicht der Fall gewesen.