Dienstag, 11. September 2007

John Grisham: The Street Lawyer

Schon ein älteres Buch, das merkt man ihm an. Die Erzählung scheint nicht mehr ganz zeitgemäßen Melodien zu folgen. Auch ansonsten halte ich "The street lawyer" für eines der schlechtesten Bücher von Grisham. Die Story ist recht fad und einfach unfassbar simpel, keinerlei Twists oder Finessen. Die Geschichte der Obdachlosen in den USA, die dieses Buch zum Hauptthema macht, ist natürlich ein ehrenwertes Anliegen, scheint aber einfach nicht wirklich in die Welt Grishams zu passen. Plot und Thema gleiten jedenfalls stetig aneinander vorbei. Nie schafft es Grisham, wirklich eine Verbindung der Themen zu erreichen.
Das lustigste daran ist, dass man das Buch trotzdem bis zum Ende liest, nicht ohne ganz geringes Vergnügen. Das beherrscht John Grisham einfach.

Montag, 9. Juli 2007

Martin Suter: Small World

So, jetzt hab ich langsam fast alle Romane von ihm gelesen, in verkehrter chronologischer Reihenfolge.
Small World hat mir am Besten gefallen. Die Konstruktion des Romans ist im Grunde nicht weiter knifflig, funktioniert aber einfach sehr gut. Die handwerkliche Umsetzung ist gelungen, man bleibt dran, und jede Seite ist ein Genuss.
Etwas blass bleiben leider die Charaktere, die eher holzschnittartig-lieblos präsentiert werden. Hier die böse Patriarchin, da der verkomme Sohn, und bei Simone, die sich ja zu so einer Art Protagonistin entwickelt, fällt mir eigentlich gar nichts ein.
Man kann das natürlich auch so lesen, dass die Charaktere zugunsten der Geschichte zurücktreten, ich fand das aber etwas unausgewogen.
Ansonsten habe ich aber nichts zu bemängeln und sage mal: Hut ab.

Freitag, 29. Juni 2007

Uta Glaubitz: Gerneration Praktikum

Tja, selber schuld wenn man sowas liest. Ich hatte mir das Ding ja auch nur angeschaut, weil ich ja grade selber - da fand ich das halt lustig.

Uta Glaubitz war schon mit Veröffentlichungen erfolgreich - allerdings als Karriereberaterin. Jetzt hat sie also ein Buch geschrieben mit diesem Trendwort Praktikum drauf. Und ihre Ratio ist: Wer ein Praktikum macht, der sollte erstmal wissen, was er hinterher werden will. Und los geht´s mit der Karriereberatung. Die Sache mit dem Praktikum ist dann nicht mehr ganz so wichtig.

Ziemlicher Etikettenschwindel. Aber wer ein Buch zur Karriereberatung braucht, dem wird´s evtl. gefallen. Und zugegeben: Soviel gibt es ja jetzt zum Praktikum auch nicht zu schreiben.

Truman Capote: Sommerdiebe

Capotes erstes Werk, zu Lebzeiten unveröffentlicht. Eine kurze, sommerliche Geschichte über eine Sommerliebe in New York. Reiches Mädchen trifft armen Buben, die beiden haben einen dieser Sommer zusammen, die man angeblich mit 17, 18 so erlebt (tja...)

Das Buch hat mich ein wenig an den Catcher im Rye erinnert, naja, ist ja auch so ähnlich. Sprache toll, Thema auch, Geschichte nett erzählt und die Charaktere haben trotz ihrer etwas stereotypen Anlagen dann doch ziemliche Tiefe. So ein ganz großer Wurf ist es mE nicht. Aber ein tolles, kurzes Büchlein für einen heißen Sommertag.

Thomas Clark: Der Filmpate. Der Fall des Leo Kirch

Flotte Schreibe hat er ja, der Thomas Clark. Das Buch scheint auch sauber recherchiert (soweit ich das überblicken kann) und ist alles in allem sehr gefällig. Hinzu kommt noch die wirklich fantastisch anmutende Geschichte, die echt ein Buch wert ist.

Kleinere Patzer sind, dass Herr Clark ab und zu mal ein Fremdwort verwechselt (zB Protagonist statt - wohl - Protegé) und dass er so ein, zwei "Thesen" hat (damit die Leute in den Wirtschaftszeitschriften bei ihren Rezis dann schreiben können "Clarks These ist...") und diese Thesen einem etwas penetrant um die Ohren haut (zB "Kirch ist ein sehr loyaler Mann und belohnt auch seinerseits Loyalität. Ein richtiger Pate eben"). Der Aufbau ist auch etwas gewöhnungsbedürftig, es wird so ein bißchen herumgesprungen, aber das lässt sich wirklich gut lesen.

Interessant ist auch, dass das Bild Kirchs letztlich steril bleibt, irgendwie objektiv. Herr Kirch versteht es wirklich immer noch, sich nicht in die Karten sehen zu lassen.

Mittwoch, 30. Mai 2007

Thor Kunkel: Endstufe

Das Medienecho um dieses Buch war ja ganz heftig. Und in diesem Fall ist der Titel „kontrovers“ durchaus auch gerechtfertigt. Kunkel liefert mal so richtig einen Skandalroman ab. Seine pseudo-houellebeqschen Thesen sind tatsächlich ganz interessant, verkommen allerdings im Laufe dieses 500plus-Seiten-Schinkens eher zur Nebensache. Entschlossen geht Kunkel hier auf den Skandal zu: Vergwaltigende Russen, fröhliche Nazis, jeder Satz ein Feuerwerk. Aber so etwas ermüdet auch irgendwann. Dieses streberhafte von Pointe zu Pointe hetzen hat etwas pornographiehaftes, auf die Dauer leider einfach langweilendes. Dennoch bleibt so einiges zu loben, Sprache und auch Stil wissen, bevor die Ermüdungserscheinungen einsetzen, durchaus zu gefallen.

Im Übrigen bleibt festzustellen, dass dieses Buch wirklich tiefe Moralprobleme hat. Damit ist nicht das Thema gemeint, nicht die Sprache o.ä. – sondern diese Lust an der Bosheit, die einfach aus jeder Seite quillt, das hat mir die Lektüre auf die Dauer etwas vergällt.

Sonntag, 13. Mai 2007

Francois Lelord: Hector und die Geheimnisse der Liebe

Man soll sich keine Bücher aussuchen, von denen man weiß, dass man sie nicht mögen wird. Dafür ist die Zeit zu knapp, und es ist auch ungerecht, dem Autor gegenüber. Trotzdem war ich neugierig, man soll ja andererseits auch offen bleiben. In diesem Fall war das allerdings keine gute Idee.
Lelords Stil ist wirklich nur für Psychologie-/Grundschullehramtsstudentinnen
der ersten Semester erträglich. Hoffe ich. So eine wiederlich süße, dicke Soße, eher Tunke, das verschlägt mir Sprache und Argumente. Scheußlichster Märchenonkelstil,
der auf diese pfiffig-reflektierte Weise präsentiert wird, die vorgibt, die richtige, augenzwinkernde Rezeption würde irgendetwas an diesem Verbrechen wider den Geschmack
besser machen. Ich aber sage: Mord bleibt Mord.
Mehr zu diesem Unfug zu sagen, verbietet die Höflichkeit.

Ich hatte so etwas schon geahnt. Andererseits gibt es ja manche Bücher dieser Art, die die schlechte Sprache und die dumme kleine Geschichte mit interessantem
Wissen wettmachen, denn letztlich bleibt hier die Geschichte nur Aufhänger und Leitfaden für die Betrachtungen über die Liebe, so dachte ich.
Pustekuchen. Die Erkenntnisse, die Lelord dem staunenden Leser stolz präsentiert, sind so ärmlich, dass ich tiefsinnigere Gespräche über die Liebe auf jeder schlechteren Hausparty in Hamburg Altona um fünf Uhr morgens gehört habe. Der Informationsgehalt dieses Buches bleibt bei null. Obwohl das die Pseudo-Märchenverpackung etwas anderes suggeriert (Stichwort: "ein kluges kleines Märchen"), bleibt das Buch in wirklich erstaunlichem Maße oberflächlich.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass es sich bei diesem Buch also nicht um ein in ein kleines Märchen und lustige Sprache verpacktes Sachbuch handelt, sondern
dass das kleine, dumme Märchen tatsächlich alles bleibt, was dieses Buch zu bieten hat.
Ein Irrtum.