(4)
Man sollte ja misstrauisch sein bei Büchern, die auf dem Klappentext nur mit dem Lob für das Vorgänger-Buch werben. Und ich war in der Tat misstrauisch. Zurecht.
CHC war ein ganz nettes Buch. Anarchisch, lustig, wenn auch keine "Menschenverachtungsbibel", wie es die FAZ so schön ausgedrückt hat. Es hatte allerdings auch einige Probleme. Die Skizzenhaftigkeit der Charaktere, das ständige Gefühl, das Buch könne vor Ideen kaum laufen, dieses leicht hektisch-Überzeugenwollende. Es war ein bißchen zu - kreativ.
Umso folgerichtiger, dass Faldbakken im nächsten Roman eben jene kreative Branche auf´s Korn nimmt, garniert mit ein bißchen verschämt-verschmustem Kinderpornographie-Nazi-Quark, wegen der Rezensionen, man versteht. Ja, ansonsten gilt im Grunde das oben gesagte, nur dass jetzt leider nix mehr neu ist, sondern es ist vor allem zu kreativ. Meiner höchstpersönlichen Meinung nach fehlen Faldbakken einfach ein, zwei Eigenschafen, die man eigentlich benötigt, um ein Buch zu schreiben (wenn man nicht eben schon ein kreativ-Promi ist). Z.B die Fähigkeit, einen Plot zu entwickeln oder Charaktere, die mal nicht wie der unvermeidliche Houellebecq auf billigem Kokain wirken.
Ein interessantes Thema, das angerissen wird, ist die Problematik des Dagegenseins in all seinen Schattierungen. Auch ein paar der hingerotzten Erkenntnisse hätte man ausbauen können.
Naja, egal, insgesamt ist es ein wenig sympathisches Buch für Werber oder Künstler oder solche, die mal welche werden wollen. Auch das könnte man noch lustig finden, da sich das Buch ja paradoxer Weise gegen eben jene Leute richtet. Es bleibt jedoch der Beigeschmack, dass dieses Paradoxon nicht wirklich vom Autor intendiert war.
Edit: Hervorzuheben wäre allerdings noch die ganz fantastische Übersetzung des Paul-Celan-Preisträgers Hinrich Schmidt-Henkel, der hier sicher ganz großes Tennis abliefert, indem er dieses Underground-Gewäsch in eine ansprechende und angenehm unprätenziöse Sprache zu kleiden verstand, die in nur in den Momenten gewollt oder verschliert klingt, in denen der Autor das auch so intendiert hat.
Dienstag, 3. April 2007
Sonntag, 25. März 2007
Helmut Krausser: Schmerznovelle
(3)
Mal was Kleines vom Autor der "Melodien". K. hat sich ja eine ganze Weile mit dem Thanatos-Tod-Erotik-Problem rumgeschlagen. Ich denke, das Buch zeigt das auch ganz deutlich. Auf wenigen Seiten ist es in schweren Strichen hingemalt, rot und schwarz und "irgendwie expressionistisch".
Der Ekel mag bei mir nicht so recht aufkommen, der Pinsel bleibt vage in der Strichführung, ein unangenehmes, klebriges Gefühl stellt sich ein. Das Personal bleibt einem fremd, agiert eher auf der Bühne als im Hirn des Rezipienten, auf der die Kuhwiesen wie aufgemalt scheinen.
Die Sprache ist verdrechselt, gewunden, dem Sujet angemessen.
Insgesamt eine Sackgasse, ein Einzelstück, ein kleiner vollgerümpelter Hinterhof, den man ungern betritt und der in einem den Wunsch weckt, sich die Hände waschen zu gehen.
Mal was Kleines vom Autor der "Melodien". K. hat sich ja eine ganze Weile mit dem Thanatos-Tod-Erotik-Problem rumgeschlagen. Ich denke, das Buch zeigt das auch ganz deutlich. Auf wenigen Seiten ist es in schweren Strichen hingemalt, rot und schwarz und "irgendwie expressionistisch".
Der Ekel mag bei mir nicht so recht aufkommen, der Pinsel bleibt vage in der Strichführung, ein unangenehmes, klebriges Gefühl stellt sich ein. Das Personal bleibt einem fremd, agiert eher auf der Bühne als im Hirn des Rezipienten, auf der die Kuhwiesen wie aufgemalt scheinen.
Die Sprache ist verdrechselt, gewunden, dem Sujet angemessen.
Insgesamt eine Sackgasse, ein Einzelstück, ein kleiner vollgerümpelter Hinterhof, den man ungern betritt und der in einem den Wunsch weckt, sich die Hände waschen zu gehen.
Mittwoch, 21. März 2007
Christian Kracht, Eckhart Nickel: Ferien für immer
(4+)
Wenn die beiden schweizer Weltreisenden, Freund-Herausgeber und über-Yuppies zusammen einen kleinen Reiseführer erstellen, sind die Erwartungen natürlich hoch. Stellte sich aber raus, dass das Buch schon älter ist, insofern eher ein Rohentwurf zum "Gelben Bleistift".
Letztendlich habe ich amüsantere Reiseberichte von Freunden in deren Rundmails gelesen. Dennoch schaffen es die beiden manchmal, die ein oder andere Gemme zu erschaffen. Und natürlich ist die Weitgereistheit der beiden schon beeindruckend, da bin ich ganz ehrlich. Okay, sie können es. Aber dann: ich wäre zu faul.
Insgesamt kann das Buch längst nicht an Krachts Einzelwerke heranreichen. Will es auch gar nicht, das Buch ist angenehm unprätenziös. Tut es aber auch nicht.
Wenn die beiden schweizer Weltreisenden, Freund-Herausgeber und über-Yuppies zusammen einen kleinen Reiseführer erstellen, sind die Erwartungen natürlich hoch. Stellte sich aber raus, dass das Buch schon älter ist, insofern eher ein Rohentwurf zum "Gelben Bleistift".
Letztendlich habe ich amüsantere Reiseberichte von Freunden in deren Rundmails gelesen. Dennoch schaffen es die beiden manchmal, die ein oder andere Gemme zu erschaffen. Und natürlich ist die Weitgereistheit der beiden schon beeindruckend, da bin ich ganz ehrlich. Okay, sie können es. Aber dann: ich wäre zu faul.
Insgesamt kann das Buch längst nicht an Krachts Einzelwerke heranreichen. Will es auch gar nicht, das Buch ist angenehm unprätenziös. Tut es aber auch nicht.
Rüdiger Liedtke: Wem gehört die Republik?
(2)
Sehr gut recherchiert, in ruhiger, sachlicher Form dargeboten. Sämtliche Fakten der großen dt. Unternehmen, die erhältlich sind, wurden hier einfach und klar dargestellt, so dass man einen wirklich guten Überblick über die Verflechtungen von Deutsche Bank und Co. bekommt. Eigentlich ein Muss als Nachschlagewerk.
Sehr gut recherchiert, in ruhiger, sachlicher Form dargeboten. Sämtliche Fakten der großen dt. Unternehmen, die erhältlich sind, wurden hier einfach und klar dargestellt, so dass man einen wirklich guten Überblick über die Verflechtungen von Deutsche Bank und Co. bekommt. Eigentlich ein Muss als Nachschlagewerk.
Dienstag, 13. März 2007
Frank Weinreich: The Lord of the Rings
(5)
Der Entschluss, sein Wissen durch ein wenig Sekundärliteratur aufzupolieren wurde prompt bestraft. Das Büchlein liest sich wie eine schlampig überarbeitete Diplomarbeit - eigentlich eher Seminararbeit. Man lernt wenig, und wenn, dann gibt sich er Autor auch wenig Mühe, zu vertuschen, dass diese Informationen aus der spärlichen Literaturliste stammen.
Die Diagramme etc. sind zwar ganz nett, insgesamt ist der Wikipedia-Artikel allerdings aufschlussreicher. Und ja, auf so wenigen Seiten hätte man durchaus qualitativ hochwertiges leisten können. Und ja, auch, wenn es sich um ein Buch handelt, dass hauptsächlich für den Schuluntericht gedacht war.
Schade, wenn man bedenkt, dass der Autor immerhin Ethiker ist und so einige Veröffentlichung zum Thema Tolkien hinter sich hat.
Der Entschluss, sein Wissen durch ein wenig Sekundärliteratur aufzupolieren wurde prompt bestraft. Das Büchlein liest sich wie eine schlampig überarbeitete Diplomarbeit - eigentlich eher Seminararbeit. Man lernt wenig, und wenn, dann gibt sich er Autor auch wenig Mühe, zu vertuschen, dass diese Informationen aus der spärlichen Literaturliste stammen.
Die Diagramme etc. sind zwar ganz nett, insgesamt ist der Wikipedia-Artikel allerdings aufschlussreicher. Und ja, auf so wenigen Seiten hätte man durchaus qualitativ hochwertiges leisten können. Und ja, auch, wenn es sich um ein Buch handelt, dass hauptsächlich für den Schuluntericht gedacht war.
Schade, wenn man bedenkt, dass der Autor immerhin Ethiker ist und so einige Veröffentlichung zum Thema Tolkien hinter sich hat.
Sonntag, 4. März 2007
Fritz J. Raddatz: Günter Grass
(4)
Sammlung von Artikeln, die Raddatz im Laufe seiner Karriere über G. Grass geschrieben hat. Schon interessant und so, aber irgendwie entwickelt sich kein kohärentes Bild von der Beziehung der beiden zueinander. Die Zusammenstellung wirkt etwas lieblos, wie ein Scorpions-Best of. Des Autors Geheimnis wird auch bleiben, warum er diese Briefe veröffentlicht hat, das ist einem bestenfalls peinlich.
Raddatz´ Analysen sind natürlich von tiefer Einsicht in das Werk geprägt, lohnt sich alles. Es bleibt auch ein großer Verdienst, dass Raddatz sich immer um eine unabhängige, unvoreingenommene Analyse bemüht. Hpchintelligente Texte, dennoch bleibt das Buch aufgrund der schlechten Kompilationsleistung blass. Hinzu kommt natürlich noch ein generelles Mißtrauchen gegenüber dieser ganzen verfilzten Gruppe-47-Geschichte.
Sammlung von Artikeln, die Raddatz im Laufe seiner Karriere über G. Grass geschrieben hat. Schon interessant und so, aber irgendwie entwickelt sich kein kohärentes Bild von der Beziehung der beiden zueinander. Die Zusammenstellung wirkt etwas lieblos, wie ein Scorpions-Best of. Des Autors Geheimnis wird auch bleiben, warum er diese Briefe veröffentlicht hat, das ist einem bestenfalls peinlich.
Raddatz´ Analysen sind natürlich von tiefer Einsicht in das Werk geprägt, lohnt sich alles. Es bleibt auch ein großer Verdienst, dass Raddatz sich immer um eine unabhängige, unvoreingenommene Analyse bemüht. Hpchintelligente Texte, dennoch bleibt das Buch aufgrund der schlechten Kompilationsleistung blass. Hinzu kommt natürlich noch ein generelles Mißtrauchen gegenüber dieser ganzen verfilzten Gruppe-47-Geschichte.
Umberto Eco: Nachschrift zum Namen der Rose
(2)
Eine schöne kleine Poetik. Schmales Bändchen mit ein paar klugen Gedanken. Leider vor dem tatsächlichen Buch zuende gelesen...das sollte man nicht tun. Die theoretischen Schriften Ecos sind ja oft recht kompliziert (für den nicht-Semiotiker), dieses Buch ist allerdings auch durchsetzt mit persönlichen Gedanken und Erfahrungen des Romanautors Eco, ein interessantes Doppelspiel.
Eine schöne kleine Poetik. Schmales Bändchen mit ein paar klugen Gedanken. Leider vor dem tatsächlichen Buch zuende gelesen...das sollte man nicht tun. Die theoretischen Schriften Ecos sind ja oft recht kompliziert (für den nicht-Semiotiker), dieses Buch ist allerdings auch durchsetzt mit persönlichen Gedanken und Erfahrungen des Romanautors Eco, ein interessantes Doppelspiel.
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